Jan. 25 2012
Lisbon
I´ve always wanted to visit Lisbon. I even dedicated a composition to this city. Now my dreams came true! In Vienna ... more
Feb. 02 2012 | 9pm
André Carvalho 5tet
Hot Club Portugal
Jorge Reis - Saxophone;
Bruno Santos - Guitar ... more
The FlowThe FlowThe FlowThe FlowThe FlowThe Flow
in english
Durch “Inventions and Impressions”, Martin Reiters brandaktuelles Album, zieht sich ein wichtiges Element: Verspieltheit. Reiter zelebriert die Bereitschaft sich ganz in der Musik zu verlieren, und sich dem instinktiven Spiel, ungetrübt von Reflexion, hinzugeben.

Es ist diese Verspieltheit, die nicht nur die “Inventions”, 15 Instant Compositions die Reiter dazu verwendent seinen kreativen Prozess zu beleben, zum Fließen bringt. Sie ermöglicht ihm nicht zuletzt auch sich nicht durch seine Rolle als in Österreich bejubelter Solist und Arrangeur ablenken zu lassen.

Auch beim Anhören seiner “Impressions”, fünf Konzeptkompositionen, jede inspiriert durch eine bestimmte Person oder ein künstlerisches Moment, wird deutlich, dass Reiter als Schwerpunkt für sein drittes Album als Leader die pure Entdeckungsfreude gewählt hat.

“Toning” ist ein sorgfältig um das tonale Zentrum Db konstruiertes Stück, gewidmet der Autorin und “Meisterin” von Generationen von Künstlern, Julia Cameron. “Truc”, der Filmmusik-Legende Ennio Morricone gewidmet, versetzt einen unmittelbar in die Zauberwelt von “Cinema Paradiso”, “New King” ist jenes Stück, das einen am meisten an Reiters Debut Album “Chez es Saade” erinnert, welches ihm anno 2005 den Hans Koller Jazzpreis für den Newcomer einbrachte. Ob er im Stil von Monk Harmonien brutal aufbricht, oder sich in fließenden Linien scheinbar endloser Melodien verliert, Reiters Forte ist und bleibt es, in all jenen Farben daheim zu sein, die Contemporary Jazz anzubieten hat.

In “Viennese Lullaby”, einer Komposition die in die Gefilde des Wienerliedes eindringt, beginnt Reiter mit einem Schubert-artigen Motiv, spielt sich mit Bebpop-artiger Harmonisierung und der triefenden Süße des Walzers, nur um die Basslinie letztendlich in eine nebulose, dunke Seitengasse zu schleifen, und uns den Einfluss des Weines auf den Pianisten - oder auf den glücklich besoffenen Zuhörer - erraten zu lassen.

In seinen 15 Impressions erkundet Reiter jenen Reichtum an stilistischer Vielfalt, den er nach fast 15-jähriger Karriere sein eigen nennen kann: von Bossa Nova inspirierten Rhythmen bis hin zu atonalen Arangements, swingenden Solos und mysteriösen Melodie(ent)führungen.

Trotz alledem ist Inventions and Impressions nicht nur eine Lehrstunde in Spontanität. Etwas, das ebenfalls immer Teil von Reiters Schaffen war und ist, ist seine tiefe Bewunderung für die Kunst durch all ihre Perioden, and eine endlose Liebe für ihre Hauptprotagonisten. Während seine Finger improvisieren, ist Reiters Kopf komplett aus dem Spiel? Die Zuhörer mögen zu ihren eigenen Schlüssen gelangen.

Martin Reiter selbst ist sich des Konflikts zwischen funkenhaft aufblitzender Kreativität und intellektueller Verbundenheit zu Musikgeschichte durchaus bewusst. Er sagt es so: “All das Nachdenken, Komponieren, Arrangieren und Üben scheint nur eine Vorbereitung für das Wesentliche zu sein. Warum klingt Musik so erstaunlich frisch wenn man etwas das erste Mal spielt? Warum klingt jede weitere Wiederholung nur wie eine flache Nachahmung, oder eine Imitation? Das ist gemein - oder doch irgendwie auch genial!”
Denise Riedlinger